Dieser erste Gottesdienst am 05.02.1922 in Kottern bildete den Grundstein für die Gemeinde Kempten, die sich zum Ausgangspunkt für die weitere Mission im Allgäu und den angrenzenden Regionen entwickeln sollte.
Robert Kudermann empfing am 21. November 1920 durch Stammapostelhelfer J. G. Bischoff in Ulm die Gabe Heiligen Geistes. Der Gemeindeälteste Wagner forderte den jungen Glaubensbruder auf, „… im kalten Allgäu Feuer zu machen!“ Diesen göttlichen Sendungsauftrag nahm der Angesprochene ernst, so dass bereits im Mai 1921 in Dietmannsried 20 Seelen aufgenommen werden konnten.
Priester Michael Emslander aus der Gemeinde Ulm wurde mit der Betreuung der Geschwister beauftragt. Apostel Karl Gutbrod spendete am 12. Dezember 1921 in Dietmannsried 23 Seelen die Gabe Heiligen Geistes und gründete damit die erste Gemeinde im Allgäu. Robert Kudermann erhielt in diesem Gottesdienst das Diakonenamt und war somit auch der erste Amtsträger des Allgäus.
Diakon Kudermann, der in der Zwischenzeit nach Kottern verzogen war und in der „Spinnerei & Weberei“ arbeitete, knüpfte Kontakt zur Familie Benjamin Seyband. Die Familie wohnte im Haus der Bäckerei Haberstock, einen Stock höher wohnte die Familie Maurus. Beide Familien standen der Neuapostolischen Glaubenslehre aufgeschlossen gegenüber. Nach einiger Zeit begleitete Priester Emslander seinen Diakon nach Kottern, um in der Wohnung Seyband einen sog. „Aufklärungsabend“ durchzuführen.
Die Chronik berichtet dann Folgendes:
„Priester Emslander war sehr überrascht, als die Versammelten ihn baten, doch gleich einen Gottesdienst durchzuführen, denn Aufklärung über den neuapostolischen Glauben hätten sie durch den Diakon Kudermann bereits erhalten. Diesem Wunsch gläubiger Herzen kam Priester Emslander gerne nach und konnte somit am 05. Februar 1922 den ersten Gottesdienst im heutigen Stadtgebiet Kempten durchführen.
Vom Dienen und der Klarheit des Geistes Gottes waren alle Anwesenden tief ergriffen. Für alle Besucher stand fest, dass dieser Gottesdienst in der Stube nicht der letzte war. Regelmäßig trafen sich nun die verlangenden Seelen im Haus Haberstock, in dem auch die Gendarmerie des Ortes untergebracht war. Der Wachtmeister stellte einen immer größeren Zulauf fest, musterte die Leute und sagte einmal: „Den darf ich auf meiner Liste jetzt streichen, denn der geht nun auch da hin.“ – ein schönes Zeugnis für die Wirksamkeit Heiligen Geistes.
Eine wertvolle Stütze für die kleinen Schar war die aus der Schweiz zugezogene Glaubensschwester Neyer. Sie erwarb ein Harmonium und begann engagiert mit dem Aufbau eines Gesangchors, die Singstunden hielt sie in ihrer Wohnung im Gasthaus „Krone“ in Weidach ab.
Jetzt musste der Gastgeber bereits verschiedene Zimmertüren aushängen, weil die Stube allein nicht mehr ausreichte. Die Gottesdienste zogen immer mehr Menschen an, so dass in der Gastwirtschaft „Bavaria“ in der Bodmanstr. 49 in Kempten ein Nebenzimmer angemietet werden konnte, in dem am 14. Mai 1922 der erste Gottesdienst stattfand.“
Damit war der Grundstein für die Gemeinde Kempten gelegt, die sich zum Ausgangspunkt für die weitere Mission im Allgäu und den angrenzenden Regionen entwickeln sollte.